Ivan Cankar: EROTIKA

Theatralisierte Poesie von Ivan Cankar

by TeaterRampa

Ivan Cankar, Katja Gorečan, Yulia Kristoforova, Janez Dovč

EROTIKA

Theatralisierte Poesie in slowenischer Sprache mit deutschen Übersetzungen

Koproduktion: Teater RAMPA & SLG Celje

Uraufführung: 24.10.2025, 19:30 – SLG Celje, Mali Oder
Premiere in Klagenfurt: 28.10.2025, 19:30 – iKult Klagenfurt / Celovec
Weitere Vorstellungen: 29.–31.10. & 4.–6.11.2025, jeweils 19:30 – iKult Klagenfurt / Celovec


Mit: Katarina Hartman, Žan Brelih Hatunić, Manca Ogorevc, Tanja Potočnik, Aleksander Tolmaier, Branko Završan

  • Regie: Yulia Kristoforova
  • Dramaturgie: Katja Gorečan
  • Szenographie: Vasilija Fišer
  • Kostümbild: Urška Grahovac
  • Musik: Janez Dovč
  • Choreografie: Ana Pandur
  • Lichtdesign: Klemen Kuhar 
  • Maske: Alja Sušnik
  • Lektorat: Živa Čebulj
  • Dramaturgische Mitarbeiterin: Mojca Redjko
Personen:
Zevs/Zeus: Branko Završan
Afrodita/Aphrodite: Manca Ogorevc
Eros: Žan Brelih Hatunić
Kača/Schlange: Katarina Hartmann
Eva: Tanja Potočnik
Adam: Aleksander Tolmaier
 
Info: rampa@slo.at / +43 660 9484625

Über das Stück:

Bevor Ivan Cankar sein umfangreiches Prosaund Dramenwerk schuf, trat er in die slowenische Literatur zunächst als Dichter ein. Schon im zarten Alter von fünfzehn Jahren begann er, Gedichte zu schreiben. Seine Gedichtsammlung mit dem Titel „Erotika“, in der er jugendliche Liebesgedichte, Balladen und Romanzen versammelte, erschien Ende März 1899 im Verlag Bamberg und löste einen großen Skandal aus.

Bischof Anton Bonaventura Jeglič kaufte kurz nach dem Erscheinen beim Verlag sämtliche verfügbaren Exemplare der Erotika (etwa 700 von 1.000 gedruckten) auf und ließ sie unverzüglich verbrennen. Cankar nahm dies jedoch gelassen hin, denn kurz darauf schrieb er an seinen Bruder Karl:

„Der Bischof ist also wirklich so dumm, dass er sich mit einer derart mittelalterlichen Albernheit blamieren muss. Die Gedichte hat er damit nicht unterdrückt. Denn nach §20 des Gesetzes über das Urheberrecht muss der Verleger innerhalb von drei Jahren eine zweite Auflage herausgeben, andernfalls gehen alle Rechte wieder an den Autor zurück.“

In dieser Episode erscheint Jeglič weniger als allmächtiger Inquisitor denn als Karikatur eines Zensors ohne tatsächliche Macht. Vor allem die liberale Presse verurteilte sein Vorgehen scharf und nutzte den Vorfall, um die inquisitorische Mentalität des klerikalen Lagers anzugreifen. Zugleich rückte dieser Pogrom den jungen, ehrgeizigen Schriftsteller in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit und machte ihn zum Wegbereiter einer erotischen Revolution in der slowenischen Dichtung. Man vermutete zu Recht, dass die verbliebenen 300 Exemplare eifrig von Hand zu Hand gehen würden, da – wie man schrieb –

„jeder sie lesen, jeder sie mit noch größerer Lust genießen und jeder in ihnen – Unmoral – suchen wird.“

Der kleine Liebeskabarett-Abend Erotika bringt Cankars Poesie auf die Bühne – zusammen mit literarischen und theatralischen Referenzen, die sich ebenfalls mit Erotik, Sinnlichkeit und dem Verlangen nach Nähe in unterschiedlichen historischen Kontexten auseinandersetzen.

Das Kabarett basiert auf emotionaler, körperlicher und psychologischer Zuneigung und rekonstruiert die Subversion der Rezeption von Cankars Gedichten in der Gegenwart. Es untersucht Blicke und Perspektiven, die Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem, die (versteckte) Position des Zuschauers und die (Ausgesetztheit) des Performers. Wie Simone de Beauvoir in Das andere Geschlecht schreibt:

„Erotik ist die Annäherung an das Andere – das ist ihr wesentliches Merkmal.“

Durch Cankars Erotika und weitere ausgewählte Texte sucht die Inszenierung nach der ursprünglichen Form der Sinnlichkeit und beleuchtet die Ursachen und Folgen der Verwandlung des Eros – von einer schöpferischen, lebensspendenden Kraft zu einem Symbol der Sünde und des Verderbens.

Die jahrhundertelange Unterdrückung der Sinnlichkeit und die Trennung des Körperlichen vom Göttlichen haben zu einer gespaltenen, beinahe schizophrenen Wahrnehmung der menschlichen Natur geführt. Dieser Prozess zeigte sich bereits in den Reaktionen auf Cankars Erotika – und scheint sich, wie es heute aussieht, immer weiter zu vertiefen und dem Prinzip des Thanatos zuzuneigen.

„Ein junger Dichter, der kein einziges erotisches Gedicht sänge, wäre ein solches Kuriosum, dass man ihn durch die Welt fahren und den neugierigen Leuten gegen ein angemessenes Eintrittsgeld zeigen müsste!“
(Anton Aškerc: Briefe aus Ljubljana)

 

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